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„Acker-Schnacker für Handy finde ich niedlich“

Artikel Nordkurier - Müritz-Zeitung vom 22.02.2012

Penzlin. Seit 26 Jahren schon müht sich die Wossidlo-Interessengemeinschaft (IG) nicht nur um den Erhalt des Erbes des Volkskundlers Richard Wossidlo, sondern auch um die Bewahrung der niederdeutschen Sprache. Ob Plattdeutsch noch eine Zukunft hat, wollte Thomas Beigang von der IG-Vorsitzenden Susan Lambrecht wissen.
Heute ist der Tag der Muttersprache. Haben Sie das Plattdeutsche von Ihrer Mutter gelernt?
Ich habe zwar schon als Kind platt gesnakt, aber das Wesentliche dafür von meiner Großmutter und meinem Vater mitbekommen.

Und heute? Wenn Sie mal nicht mit den anderen Mitgliedern der IG Wossidlo zusammensitzen, wann sprechen Sie dann plattdeutsch?
Auch hier in der Penzliner Bibliothek. Bei den älteren Bürgern, gerade in Kleinstädten, existiert keine Scheu, platt zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Das ist hier noch möglich.

Trotzdem: Die niederdeutsche Sprache ist vom Aussterben bedroht. Geben Sie mir recht?
Nein. Schon vor 200 Jahren wurden Befürchtungen laut, dass diese schöne Sprache ausstirbt. Und es gibt sie noch immer. Ich sehe die Aussichten nicht so düster. Viele Leute mögen es, hören es gern, trauen sich aber nicht zu sprechen. Dagegen muss man etwas tun. Aber platt wird noch lange gesprochen werden, nicht nur, weil Niederdeutsch gemeinsam mit Friesisch und Sorbisch laut der Charta der europäischen Minderheitensprachen als schützenswert gilt. Plattdeutsch lebt.

Sogar die „Lütten“ lernen es in einigen Kindergärten der Region.
Richtig. Besonders verdient machen sich solche Kitas wie „Bummi“ in Waren oder Kitas in Malchow. Hier wird Platt nicht als „Unterricht“ vermittelt, sondern in den Alltag einbezogen. Auch in einigen Grundschulen wird Plattdeutsch gepflegt. Danach allerdings kommt es zum Bruch, da gebe ich Ihnen recht.
Sie sind Bibliothekarin, verleihen Sie auch Bücher mit plattdeutschen Texten?
Gern werden einige mit schönen, kurzen Texten auf Platt ausgeborgt. Längere niederdeutsche Romane allerdings spielen so gut wie keine Rolle mehr.

Sie werden es viel besser wissen, aber die plattdeutsche Sprache an sich gibt es doch überhaupt nicht. Wird nicht statt dessen in vielen Regionen Mecklenburgs und Vorpommerns in vielen unterschiedlichen Dialekten gesprochen?

Manchmal gibt es für ein und die selbe Sache in Dörfern, die nur zwei Kilometer voneinander entfernt liegen, unterschiedliche Begriffe oder Betonungen. Da gibt es ein sehr gutes niederdeutsches Wörterbuch von Wossidlo und Teuchert, in denen nicht nur die Begriffe erklärt, sondern auch Sprachgrenzen anschaulich dargestellt werden. Wir aus der Warener Region sagen zum Beispiel für Kuchen „Kauken“ und nicht, wie anderswo „Koken“.

Weil wir gerade dabei sind: Sagen Sie mir ihr Lieblingswort auf Platt. Was klingt besonders nett?
Ich besitze kein Lieblingswort, weil ich die ganze Sprache als äußerst liebenswürdig empfinde. Aber schön finde ich, wenn neue und moderne Begriffe ihr Äquivalent im plattdeutschen finden. So habe ich neulich das Wort Acker-Schnacker für Handy gehört. Ist das nicht niedlich?

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18.05.2012 - 07:25 © Amt Penzliner Land | E-Mail: verwaltung@penzliner-land.de